Der Gebrauch von Cookies erlaubt uns Ihre Erfahrungen auf dieser Website zu optimieren. Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu. Erfahren Sie mehr

Eine Zukunft voller Möglichkeiten

Eine Zukunft voller Möglichkeiten
Foto: BMDW, Christian Lendl

Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, spricht im Interview über die Digitalisierung Österreichs, wie Bürgerinnen und Bürger die Transformation aktiv mitgestalten können und warum man voller Zuversicht in die neue Arbeitswelt blicken kann.

Frau Bundesministerin, die Welt ist durch die Digitalisierung ein Dorf geworden, gleichzeitig verlieren wir Menschen uns oft in der digitalen Welt. In welcher Form kann ein Digitalisierungsministerium Wegweiser setzen, um den Menschen das Leben zu erleichtern?   

Margarete Schramböck: Beim Thema Digitalisierung kommen für mich drei zentrale Bereiche zusammen: Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Wichtig ist, dass wir bei der Digitalisierung möglichst viele Menschen mitnehmen. Da sind vor allem die digitalen Kompetenzen entscheidend. Das heißt, wie kann man mit digitalen Technologien besser umgehen – im Beruf, in der Ausbildung, aber auch nach der beruflichen Karriere. Genau weil das so wichtig ist, haben wir gemeinsam mit der Wirtschaftskammer die Plattform „fit4internet“ gegründet. Wir kümmern uns hier um die unterschiedlichsten Gruppen – auch und vor allem um ältere Menschen, die vielleicht noch nicht so eingestiegen sind in die Internetnutzung und sich davor scheuen. Eine Initiative ist beispielsweise das „Kaffee Digital“, mit dem wir Einsteigerinnen und Einsteiger ansprechen wollen. Hier kann man von den Grundlagen weg den Umgang mit dem Smartphone und mit Apps lernen.

Was genau ist das „Kaffee Digital“?

Das „Kaffee Digital“ findet in ganz Österreich je nach Bedarf statt. Wir organisieren das als eine angenehme Veranstaltung, wo es Kaffee und Kuchen gibt. Eine professionelle Trainerin erklärt, was das Internet überhaupt ist, was ein Smartphone ist und warum das anders ist als das Telefon früher oder ein „altes“ Handy. Dann geht es an Thementischen weiter, wo man mit Trainerinnen und Trainern alles ausprobieren kann. Wir haben so bisher etwa 1.000 Menschen geschult, davon waren rund 20 Prozent über 80 Jahre alt. Viele haben danach gesagt, sie hätten jetzt auch gerne so einen „Wischomaten“. Das Team von „fit4internet“ bereitet derzeit weitere Stufen vor. Wir planen eine Tour mit vielen Stationen im Rahmen von „Digital Austria“. Neben dem „Kaffee Digital“ wird es auch ein Angebot für mittelständische Unternehmen geben, die Initiative „KMU Digital“ sowie ein Programm, mit dem wir Jugendliche für Coding begeistern wollen. Die Tour endet im Herbst mit dem Digital Austria Day. Geplant ist, dass 1.000 österreichische Unternehmen ihre Türen öffnen und zeigen, wie sie heute digital arbeiten. Wie wird Digitalisierung etwa im Handwerksbereich eingesetzt? Wenn ich zum Beispiel Glocken herstelle und 3D-Printing dafür verwende – wie funktioniert das? Was brauche ich heute im Handel? Die Unternehmen sollen – ähnlich wie bei der langen Nacht der Forschung – während des Tages und auch am Abend aufmachen, damit alle Interessierten, vor allem aber Jugendliche, die vor der Berufswahl stehen, sehen, was sich hier alles tut.“

Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es einen derart einfachen Zugang zu Information. Es wurde aber auch viel leichter, eine Unternehmensidee schnell und effizient bekannt zu machen. Oder auch weltweit online zu shoppen. Wie wird sich unsere Welt in den nächsten zehn Jahren aus Ihrer Sicht verändern?

Zukunftsforscherin bin ich keine, aber wenn man sich die Entwicklungen ansieht, dann ist sicher, dass uns die Digitalisierung das Leben in vielen Bereichen einfacher machen wird. Das war ja bei der ersten Welle der Motorisierung auch so, als das Automobil die Möglichkeit des Reisens und des Transports verändert hat. Oder als neue, maschinelle Produktionsmethoden eingeführt wurden, da ist es auch leichter geworden. Die Menschen sind insgesamt gesünder geworden, weil sie nicht mehr so schwer tragen, nicht mehr alles händisch machen mussten. Wir haben durch die Digitalisierung mehr Zugang zu Bildung, zu Gesundheit und einen noch besseren Umweltschutz. Gerade die Landwirtschaft ist für Innovationen immer schon sehr aufgeschlossen gewesen, und der Bereich „Smart Farming“ ist schon sehr weit. Es gibt Start-Up-Unternehmen, die sich mit dem Thema Kreislaufwirtschaft beschäftigen. Oder mit der Frage: Wie bekommt man das Plastik aus den Meeren? Schaffen wir es, Technologien zu entwickeln, die das, was schiefgelaufen ist, wiedergutmachen können? Das sind die spannenden Fragen der Zukunft. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit digitaler Technik viel schaffen werden, gerade mit dem Innovationsgeist, den ich hier mitbekomme. 

In welcher Form hat beispielsweise eine Rattenbergerin oder ein Rattenberger – also eine Bürgerin oder ein Bürger der kleinsten Stadt Österreichs – die Möglichkeit, die digitale Transformation in Österreich aktiv mitzugestalten?

Also wenn es eine Frau ist, die in Rattenberg in einem mittelständischen Unternehmen arbeitet, dann wird ihr das Programm KMU Digital unseres Ministeriums zugutekommen. Das ist eine Unterstützung für mittelständische Unternehmen in diese neue digitale Welt einzusteigen. Darüber hinaus kann ihr Unternehmen von einem der zukünftigen Innovation Hubs profitieren. Als Innovation Hubs bezeichnen wir Anlaufstellen für mittelständische Unternehmen in Fragen der digitalen Transformation. So zum Beispiel hat mir ein Glockenbauer in Innsbruck erzählt, er möchte mit seinem Team jeden Monat etwas Neues ausprobieren. Das Unternehmen gibt es seit 14 Generationen, bis ins Mittelalter zurück, und er möchte heute mit 3D-Printing beginnen. Mit diesem Anliegen könnte er nun zum Innovation Hub gehen und dort Unterstützung bekommen. Wir haben viele junge Menschen in Österreich, am Land und in der Stadt, die Berufe mit digitalen Inhalten lernen wollen und das auch sollen. Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass der Lehrberuf der Dachdeckerin/des Dachdeckers das letzte Mal 1973 überarbeitet wurde. Heute ist das Dach aber ein Multifunktionsinstrument mit viel Sensorik. Ich möchte, dass jede junge Frau und jeder junge Mann, wenn sie oder er in Österreich eine Lehre beginnt, in jedem Lehrberuf digitale Inhalte mit dabei hat und das lernt, was man für den Beruf braucht. Die Lehrlinge sind unsere Fachkräfte der Zukunft, sie sind auch die meisten, die Unternehmen gründen. Wir haben jetzt im Frühjahr auch den Beruf der Friseurin und des Friseurs überarbeitet. Jede Friseurin bzw. jeder Friseur muss wissen – vor allem in der Selbstständigkeit – wie man eine Webseite betreut, wie man online Kundinnen und Kunden bewirbt, wie man mit den Daten der Kundinnen und Kunden umgeht, wie die elektronische Kassa funktioniert. Das gleiche gilt für fast alle Lehrberufe, die wir in Österreich haben.

Lebenslanges Lernen darf kein Schlagwort bleiben, meinten Sie einmal in einem anderen Interview. Wie bilden Sie sich im Jahr 2019 weiter?

Ich bilde mich in meinem Job sehr stark weiter. Erstens habe ich ein junges Team, von dem ich viel lerne. Zweitens lerne ich ganz stark dadurch, dass ich mit Expertinnen und Experten diskutiere, ich mir Dinge erklären lasse, meinen Kundinnen und Kunden zuhöre. Das sind die österreichischen Unternehmen, das sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen, das sind die Bürgerinnen und Bürger Österreichs. Ich bin sehr privilegiert, dass ich die Möglichkeit habe, so viel Zugang zu haben und durch das Zusammensitzen und Fragenstellen auch entsprechend viel zu lernen.

Es steht also kein Handwerkskurs oder Glockenbau-Workshop in Ihrem persönlichen Terminkalender?

Garteln ist mein Hobby. Ich nutze das Internet für die so genannten „Life Hacks“: Wie kann ich auf natürlichem Wege einen Käfer, der gerade in meinem Garten eingefallen ist, loswerden? Wann setze ich welche Pflanzen an? Ich kann das über das digitale Medium lernen, schau mir kurze Videos an. Wichtig ist in diesem Zusammenhang immer, dass man sicher unterwegs ist, dass man nicht alles glaubt, was man sieht, die Dinge auch hinterfragt, die Quellen überprüft.

Das neue Portal oesterreich.gv.at bringt für die Bürgerinnen und Bürger eine Erleichterung bei der Erledigung von Amtswegen. Welche entscheidenden Vorteile sehen Sie selbst in dieser Innovation?

Ich persönlich übersiedle zurzeit nicht, aber wenn ich übersiedeln würde, dann könnte ich alles über oesterreich.gv.at oder über die App erledigen. Ein anderes praktisches Beispiel: Wenn der Reisepass abläuft, werde ich über die App erinnert werden, dass ich ihn bald erneuern muss. Und das passiert doch vielen Menschen – man steht am Flughafen und entdeckt, der Pass ist abgelaufen. Im Mai finden die Europa-Wahlen statt: Man kann jetzt über die App „Digitales Amt“ von oesterreich.gv.at die Wahlkarte beantragen. Oder jene, die so glücklich sind, ein Baby zu erwarten, bekommen jeden behördlichen Schritt, den sie tun müssen, angesagt. Zum Beispiel, als nächsten Schritt müsstest du die Schwangerschaft der Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber melden. Man kann alles in den Kalender eintragen, hat immer den Überblick. Und am Schluss kann man den Namen des Kindes eintragen, abschicken und das war es, man muss nirgendwo mehr hingehen. Man bekommt Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis und Meldezettel zugeschickt, entweder in Papierform oder ins digitale Postfach.

Für den Reisepass muss man aber weiterhin aufs Amt gehen, oder?

Das wird noch eine Weile so bleiben, ja. Wir haben alle Technologien, die in diesem Bereich zur Verfügung stehen, getestet und haben gesehen, hier sind wir noch nicht so weit. Hier geht es vor allem um das Abgeben des Fingerabdrucks. Sicherheit ist uns hier ganz wichtig. Man bekommt von oesterreich.gv.at also die Erinnerung für die Verlängerung des Passes, aber aufs Passamt wird man auch weiterhin gehen müssen. Wir werden aber die Technik weiter beobachten und das Service weiter ausbauen. Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres wird dann der Führerschein und der Meldezettel auf der App verfügbar sein. Man kann den Führerschein dann am Smartphone der Polizistin oder dem Polizisten zeigen.