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Allgemeines zur Arbeitnehmerveranlagung

Allgemeine Informationen

Ihre Lohnsteuer wird so berechnet, als ob Sie das ganze Jahr über gleich viel verdient hätten. Wenn Ihr Einkommen aber geschwankt hat – z.B. wegen eines Jobwechsels – zahlt sich eine Arbeitnehmerveranlagung aus. Hierbei wird die Steuer neu berechnet und gleichmäßig übers Jahr verteilt. Häufig stellt sich dabei heraus, dass man zu viel bezahlt hat und es gibt eine Lohnsteuergutschrift direkt auf Ihr Konto. Sollte es in Ihrem Fall jedoch zu einer Steuernachzahlung kommen, können Sie, wenn kein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt, den Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung zurückziehen.

Bei der Arbeitnehmerveranlagung können Sie nach Ablauf des Jahres mit dem Formular L1 Folgendes geltend machen:

  • Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag
    (auch wenn dieser schon gegenüber der Arbeitgeberin/dem Arbeitgeber geltend gemacht wurde)
  • Unterhaltsabsetzbetrag
  • Mehrkindzuschlag
  • Pendlerpauschale (soweit nicht schon gegenüber der Arbeitgeberin/dem Arbeitgeber geltend gemacht)
  • Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung für mitversicherte Angehörige
  • Eventuell Pflichtversicherungsbeiträge aufgrund einer geringfügigen Beschäftigung
  • Weitere Werbungskosten (z.B. Fachliteratur, Fortbildungskosten)
  • Eventuell Sonderausgaben, die nicht automatisch vermittelt werden
  • Bis 2018: Kinderfreibetrag (Formular L1k)
  • Ab 2019: Familienbonus Plus (Formular L1k)
  • Außergewöhnliche Belastungen (Formular L1ab, z.B. aufgrund einer Behinderung)
  • Eventuell Freibeträge für Inhaber von Amtsbescheinigungen und Opferausweisen

Seit dem Veranlagungsjahr 2016 erhalten Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer in bestimmten Fällen ihre Steuergutschrift automatisch, wenn sie ausschließlich lohnsteuerpflichtige Einkünfte beziehen (antraglose Arbeitnehmerveranlagung).

Freiwillige Arbeitnehmerveranlagung

Wer eine Lohnsteuergutschrift erwartet, kann von sich aus mit dem Formular L1 beim Finanzamt die Arbeitnehmerveranlagung einreichen.

Lohnsteuerpflichtige (Angestellte, Arbeiterinnen/Arbeiter, Beamtinnen/Beamte, Pensionistinnen/Pensionisten) werden vom Finanzamt im Rahmen der sogenannten "Arbeitnehmerveranlagung" (früher: Jahresausgleich) zur Einkommensteuer erfasst.

Eine Steuergutschrift ist normalerweise in folgenden Fällen zu erwarten:

  • Wenn Sie während des Jahres unterschiedlich hohe Bezüge erhalten haben und die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber keine Lohnsteuer-Aufrollung durchgeführt hat
  • Wenn Sie während des Jahres die Arbeitgeberin/den Arbeitgeber gewechselt haben oder nicht ganzjährig beschäftigt waren
  • Wenn Sie aufgrund der geringen Höhe Ihrer Bezüge Anspruch auf "SV-Rückerstattung" (Steuergutschrift) haben
  • Wenn Sie Anspruch auf den Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag oder auf ein Pendlerpauschale haben, der oder das bei der laufenden Lohnverrechnung nicht berücksichtigt wurde
  • Wenn Sie Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen, die noch nicht in einem Freibetragsbescheid berücksichtigt wurden

Verpflichtende Arbeitnehmerveranlagung

Unter folgenden Voraussetzungen müssen Sie eine Arbeitnehmerveranlagung (Pflichtveranlagung) mit dem Formular L1 durchführen:

Wenn Ihr Einkommen im betreffenden Jahr 12.000 Euro überstiegen hat und insbesondere folgende Punkte zutreffen:

  • Wenn der Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag, der erhöhte Verkehrsabsetzbetrag oder der erhöhte Pensionistenabsetzbetrag bei der laufenden Lohnverrechnung berücksichtigt worden ist, die Voraussetzungen aber nicht vorliegen.
  • Wenn Sie im Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen haben, die beim Lohnsteuerabzug nicht gemeinsam versteuert wurden (z.B. Firmenpension neben ASVG-Pension).
  • Wenn Sie ein Pendlerpauschale zu Unrecht oder in unrichtiger Höhe in Anspruch genommen haben oder Ihrer Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen sind.
  • Wenn Sie unrichtige Angaben für die Steuerbefreiung von Kinderbetreuungskosten abgegeben haben oder Ihrer Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen sind.
  • Ab 2019: Wenn ein Familienbonus Plus bei der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde, aber die Voraussetzungen nicht vorlagen oder wenn sich ergibt, dass ein nicht zustehender Betrag berücksichtigt wurde.

oesterreich.gv.at bietet auch Informationen zum Thema "Pendlerpauschale" sowie zu steuerrechtlichen Aspekten für Menschen mit Behinderungen und Unternehmerinnen/Unternehmer an.

Wenn Sie neben lohnsteuerpflichtigen Einkünften andere Einkünfte (z.B. Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) bezogen haben, die in Summe den Betrag von 730 Euro übersteigen (Veranlagungsfreibetrag), müssen Sie ebenfalls eine Steuererklärung abgeben. In diesem Fall ist das Formular E1 (Einkommensteuererklärung) zu verwenden.

Fristen

  • Freiwillige Arbeitnehmerveranlagung
    Für den Antrag auf Durchführung einer Arbeitnehmerveranlagung haben Sie fünf Jahre Zeit (z.B. kann der Antrag für das Jahr 2018 bis Ende Dezember 2023 gestellt werden).
  • Verpflichtende Arbeitnehmerveranlagung
    Frist: 30. April bzw. 30. Juni (bei Online-Erklärungen) des Folgejahres

Zuständige Stelle

Das Wohnsitzfinanzamt

Verfahrensablauf

Sie können Ihren Antrag zur Arbeitnehmerveranlagung über FinanzOnline elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Selbstverständlich ist es weiterhin möglich, Ihren Antrag per Post zu senden oder persönlich bei Ihrem zuständigen Finanzamt abzugeben. Das Finanzamt bearbeitet die Anträge in der Reihenfolge des Einlangens.

Das Finanzamt führt auf Ihren Antrag eine Arbeitnehmerveranlagung durch und überweist die Lohnsteuergutschrift auf Ihr Konto.

Legen Sie den Erklärungen zur Durchführung der Arbeitnehmerveranlagung bitte keine Lohnzettel bei. Diese werden von der Arbeitgeberin/dem Arbeitgeber (oder der pensionsauszahlenden Stelle) dem Finanzamt übermittelt. Legen Sie den Erklärungen auch keine Belege (Rechnungen, Bestätigungen, Zahlungsbelege) für Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen bei. Bewahren Sie die Belege aber sieben Jahre auf, da sie auf Verlangen des Finanzamtes vorgelegt werden müssen.

Wenn Sie von sich aus keine Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung abgeben oder abgeben müssen, wird Sie das Finanzamt in folgenden Fällen zur Einreichung einer Erklärung auffordern (durch Zusendung eines Formulars L1) und eine Pflichtveranlagung durchführen:

  • Wenn Sie im Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen haben, die beim Lohnsteuerabzug nicht gemeinsam versteuert wurden (z.B. Firmenpension neben ASVG-Pension)
  • Wenn Ihnen im Kalenderjahr Krankengeld aus der gesetzlichen Sozialversicherung oder Bezüge nach dem Heeresgebührengesetz (z.B. für Truppen- oder Kaderübungen) ausbezahlt wurden, Bezüge aus einem Dienstleistungsscheck vorliegen oder Sozialversicherungspflichtbeiträge rückerstattet worden sind 
  • Wenn Zahlungen aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds bezogen wurden 
  • Wenn für das jeweilige Kalenderjahr ein Freibetragsbescheid bei der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde

Zusätzliche Informationen

Nachzahlungen

Zu einer Nachzahlung kann es insbesondere kommen, wenn mehrere lohnsteuerpflichtige Bezüge gleichzeitig bezogen wurden und bei der Lohnverrechnung keine gemeinsame Versteuerung erfolgt ist. Dann berechnet jede bezugs- oder pensionsauszahlende Stelle die Lohnsteuer nur für die von ihr ausbezahlten Bezüge oder Pensionen. Insgesamt ergibt sich dadurch eine zu geringe Lohnsteuer.

Bei der Arbeitnehmerveranlagung werden diese Bezüge so besteuert, als hätten Sie den Gesamtbetrag in Form eines Bezugs erhalten. Sie werden also jemandem gleichgestellt, der nur ein Dienstverhältnis hat, aber ebensoviel Gehalt oder Pension bezieht, wie Ihnen aus mehreren Bezügen zugeflossen ist. In solchen Fällen sind regelmäßig Vorauszahlungen zu leisten, die mit der Steuernachforderung gegengerechnet werden und sie verringern oder dazu führen, dass es zu keiner Nachzahlung kommt.

Vorauszahlungen

Einkommensteuerpflichtige müssen in Höhe der voraussichtlichen Einkommensteuer vierteljährlich Vorauszahlungen entrichten.

Bei Lohnsteuerpflichtigen kann es dann zu Vorauszahlungen kommen, wenn mehrere lohnsteuerpflichtige Bezüge gleichzeitig bezogen wurden und bei der Lohnverrechnung keine gemeinsame Versteuerung erfolgt ist. Wenn erstmals zwei Bezüge nebeneinander anfallen, können in einem Jahr die Nachzahlung für das vorangegangene Jahr mit der Vorauszahlung für das laufende Jahr zusammentreffen. Andererseits ersparen Sie sich aufgrund der Vorauszahlungen für das laufende Jahr allfällige Nachzahlungen aus der späteren Veranlagung dieses Jahres.

Einkommensteuererklärung (Formular E1)

Sie sind zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung (Einkommensteuererklärung – E1 und Beilagen dazu) verpflichtet, wenn

  • Sie neben lohnsteuerpflichtigen Einkünften andere Einkünfte (z.B. aus Werkverträgen, Einkünfte als neue Selbstständige, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) von insgesamt mehr als 730 Euro erhalten haben. Endbesteuerte Kapitalerträge sind hier nicht einzurechnen.
  • Sie Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielt haben, die keinem Kapitalertragsteuerabzug unterliegen (Beilage E1kv).
  • Sie Einkünfte aus privaten steuerpflichtigen Grundstücksveräußerungen erzielt haben, die beim Verkauf nicht versteuert wurden.

Frist: 30. April bzw. 30. Juni (bei Online-Erklärungen) des Folgejahres

Versteuerung mehrerer Pensionen

Bei gleichzeitigem Bezug von mehreren Pensionen (z.B. gesetzlichen Pensionen, Beamtenpensionen, Pensionen aus einem früheren Dienstverhältnis zu einem Bundesland, Pensionen aus inländischen Pensionskassen) ist eine gemeinsame Versteuerung verpflichtend vorgesehen, um Nach- und Vorauszahlungen zu vermeiden.

Beispiel

Wenn jemand eine Pension vom Bund oder Land und zusätzlich eine Witwenpension von der Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten erhält, wird von jener auszahlenden Stelle, die die höhere Pension ausbezahlt, die auf beide Bezüge entfallende Lohnsteuer einbehalten.

Wenn Sie neben Ihrer ASVG-Pension auch eine Firmenpension erhalten, besteht keine Pflicht zur gemeinsamen Versteuerung. In diesen Fällen kann aber die ehemalige Arbeitgeberin/der ehemalige Arbeitgeber die Auszahlung und Versteuerung Ihrer ASVG-Pension übernehmen (sie/er ist dazu jedoch nicht verpflichtet).

Weiterführende Links

Zum Formular

Formulare zu diesem Thema

Seit dem Veranlagungsjahr 2010 werden die Formulare L1, L1i, L1ab sowie L1k maschinell eingelesen, um Fehler zu vermeiden und eine noch bessere Bearbeitung zu ermöglichen. Daher stehen die entsprechenden Formulare nicht mehr als Downloadversion zur Verfügung, können jedoch kostenlos auf den Seiten des Bundesministeriums für Finanzen bestellt werden. Nur die barrierefreien Formulare für blinde und sehbehinderte Personen sind weiterhin downloadbar. Noch rascher kann die Arbeitnehmerveranlagung über FinanzOnline erledigt werden.

Inhaltlicher Stand: 04.07.2019

Abgenommen durch: Bundesministerium für Finanzen