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Rechte bei Verspätung/Streichung/Überbuchung eines Fluges

Allgemeines

Besondere Rechte für Fluggäste bei Verspätung/Streichung/Überbuchung von Flügen gelten

  • immer wenn der Abflughafen innerhalb der EU liegt (egal, welche Fluglinie) oder
  • wenn der Zielflughafen in der EU liegt und die Fluglinie in der EU registriert ist.

Die besonderen Rechte gelten nicht, wenn der Flug in einem Nicht-EU-Land begonnen hat und die Fluglinie nicht in der EU registriert ist.

Informationspflicht

Die Fluggesellschaft ist verpflichtet, über die Rechte der Fluggäste und über den Grund einer Nichtbeförderung aufzuklären. Außerdem muss sie die Fluggäste über Ausfälle und Verspätungen ab 2 Stunden informieren.

Verspätung/Streichung/Überbuchung/Verweigerung der Beförderung

Betreuungsleistungen

Ist der Abflug

  • bei Flügen bis zu 1.500 km um zwei Stunden oder mehr
  • bei Flügen innerhalb der EU ab 1.500 km und drei Stunden oder mehr
  • bei Flügen von 1.500 km bis zu 3.500 km (nicht innerhalb der EU) um drei Stunden oder mehr
  • bei Flügen über 3.500 km (nicht innerhalb der EU) um vier Stunden oder mehr

verspätet, aber auch bei der Annullierung und Überbuchung von Flügen, kann die Fluglinie zu Betreuungsleistungen verpflichtet sein:

Sie muss Fluggäste vor Ort mit Snacks und Erfrischungen unentgeltlich verpflegen und Kontaktaufnahmen ermöglichen. Unter Umständen muss sie Fahrgäste auch in Hotels unterbringen und den Transfer zwischen Flughafen und Hotel übernehmen. Die Betreuungsleistungen richten sich nach dem jeweiligen Einzelfall und müssen in einem angemessenen Verhältnis zur Wartezeit stehen. Im Zweifel sollten für nicht erstattete Kosten Rechnungen und Belege aufbewahrt werden.

Wahl zwischen Erstattung des Flugtickets oder alternativer Beförderung

Kann ein Flug nicht angetreten werden, weil er gestrichen wird, überbucht ist oder die Beförderung verweigert wird, besteht ein wahlweiser Anspruch auf

  • vergleichbare andere Beförderung an den Zielort oder
  • Erstattung der Kosten des Flugtickets und ggf. kostenlosen Rücktransport an den Ausgangsort
  • Rückflug zum Abflugort zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

Ab einer Verspätung von 5 Stunden besteht ebenfalls Recht auf Erstattung der Kosten des Flugtickets. Macht der Fluggast von diesem Recht Gebraucht, gibt es allerdings keinen Anspruch auf Weiterbeförderung.

Bei Flugannullierungen kommt es vor, dass Luftfahrtunternehmen dem Fahrgast keine Wahl zwischen Erstattung der Kosten des Flugtickets und einer alternativen Beförderung lassen, sondern nur die Erstattung des ursprünglichen Flugticketpreises anbieten. In diesem Fall hat der Fahrgast Anspruch, die Mehrkosten des neuen Flugtickets unter vergleichbaren Bedingungen erstattet zu bekommen. Wenn sich allerdings ein Flugunternehmen nachweislich um "Unterstützungsleistungen" bemüht und der Fluggast dennoch auf eigene Faust eine anderweitige Beförderung veranlasst, kann das Unternehmen die Erstattung der angefallenen Mehrkosten verweigern.

Ausgleichszahlungen

Zusätzlich besteht bei Nichtbeförderung/Streichung von Flügen/Ankunftsverspätungen von über 3 Stunden unter Umständen Anspruch auf finanzielle Entschädigung ("Ausgleichszahlung"). Diese beträgt je nach Flugstrecke 250 bis 600 Euro:

  • Bis 1.500 km: 250 Euro Entschädigung
  • 1.500 km bis 3.500 km: 400 Euro Entschädigung
  • Über 3.500 km: 600 Euro Entschädigung

Bei verspäteten Flügen von über 3.500 km kann eine Ausgleichszahlung um die Hälfte gekürzt werden, wenn die neue Ankunftszeit nicht mehr als vier Stunden hinter der planmäßigen Ankunftszeit liegt.

Im Fall der Nichtbeförderung können Fluggäste freiwillig auf die Buchung verzichten und mit dem Flugunternehmen eine entsprechende Gegenleistung vereinbaren (beispielsweise in Form von Gutscheinen oder Bonusmeilen), die in der Regel höher ist als eine "Ausgleichszahlung". Achtung: Vertretbare Gründe für eine Nichtbeförderung sind zu spätes Einfinden beim Check-In oder am Gate, fehlende Reisedokumente, diagnostizierte ansteckende Erkrankungen, Gefährdung der allgemeinen oder betrieblichen Sicherheit.

Ausnahme: Keine finanzielle Entschädigung gibt es, wenn

  • ein Flug wegen "außergewöhnlicher Umstände" gestrichen werden muss bzw. verspätet erfolgt (z.B. Unwetter, politische Instabilität, Sicherheitsrisiko, in vielen Fällen bei Streik) oder
  • die Fahrgäste mindestens zwei Wochen vor dem Abflugdatum über die Streichung informiert werden oder
  • das Flugunternehmen einen alternativen Flug für die Strecke in einem ähnlichen Zeitraum angeboten hat und und sich dabei an gewisse Rahmenzeiten hält (erfolgt die Benachrichtigung zwischen 14 und 7 Tage vorher: Abflug max. 2 Stunden früher und Ankunft max. 4 Stunden später, erfolgt die Benachrichtigung weniger als 7 Tage vorher: Abflug max. 1 Stunde früher und Ankunft max. 2 Stunden später).

Bei der Streichung eines Fluges wegen außergewöhnlichen Umständen gibt es also keine finanzielle Entschädigung, aber wahlweise:

  • Die Erstattung des Tickets
  • Alternativer Flug zum Zielort zum frühestmöglichen nächsten Zeitpunkt
  • Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt nach Wahl und nach Verfügbarkeit

Antragstellung auf Erstattung/Entschädigung

Das EU-Beschwerdeformular für Fluggastrechte muss bei der Fluggesellschaft eingebracht werden. Eine Kopie davon sollte unbedingt aufbewahrt werden.

Kommt keine Antwort von der Fluggesellschaft oder ist die Antwort nicht zufriedenstellend, besteht die Möglichkeit, sich an die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte zu wenden. Diese kann helfen, die Streitigkeit ohne Einschaltung eines Gerichts zu lösen. Kann ein Beschwerdefall nicht außergerichtlich geregelt werden, können Ansprüche auch vor Gericht eingeklagt werden.

Weiterführende Links

Inhaltlicher Stand: 12.07.2019
Abgenommen durch: oesterreich.gv.at-Redaktion