16.10.2009
"Das war ein Ausfranser"

Bundeskanzler Faymann im Interview in der "Kleinen Zeitung" zur Rede von Finanzminister Pröll

Kleine Zeitung: Die SPÖ ist erbost wegen Prölls Forderung nach Abschaffung der Hackler-Pension. Hat Pröll den Koalitionspfad verlassen?

Faymann: Ich sehe das nicht so genau wie ein Pfadfinder, eines kann ich schon sagen: Er untergräbt das Vertrauen in die Politik. Wenn junge Leute sagen, ich glaube denen nichts mehr, ist das kein Wunder. Vor zwölf Monaten haben wir eine Regelung beschlossen für Menschen, die 40 oder 45 Jahre gearbeitet haben. Jetzt soll das nicht mehr gelten?

Kleine Zeitung: Die Bürger sind mehr verärgert, dass die Politiker den Menschen nicht reinen Wein einschenken.

Faymann: Das tun wir aber, indem wir sagen: Die Hackler-Regelung kann man über 2013 nicht finanzieren. Das haben wir damals schon gewusst, dass die Fortsetzung in alle Ewigkeit nicht machbar ist. Der Sozialminister wird noch heuer einen Vorschlag über eine Umstellung auf ein neues System machen.

Kleine Zeitung: Sonst hat Sie Prölls Rede nicht verstört?

Faymann: Warum sollte sie? Alles, was Pröll angesprochen hat, ist mit uns vereinbart, mit dem einen Ausfranser bei der Hackler-Regelung.

Kleine Zeitung: Und die Idee des Konklaves bei der Verwaltungsreform?

Faymann: Das habe ich für den humoristischen Teil gehalten. Ich stelle mir ein Vorkonklave in der ÖVP vor, mit dem Onkel und dem Neffen an einem Tisch in der Frage der Föderalismusreform.

Kleine Zeitung: Man erwartet sich so eine Grundsatzrede eher von einem Kanzler. Warum halten Sie nicht so eine?

Faymann: Am 2. Dezember ist die Regierung ein Jahr im Amt. Ich überlege mir, wie ich der Bevölkerung an diesem Tag ganz offen sage, was uns gelungen ist, was wir noch vorhaben. Über die Inszenierung zerbreche ich mir nicht den Kopf.

Kleine Zeitung: In der Schulfrage sind die Dinge in Bewegung.

Faymann: Ja, auch wenn ich in meiner Gedankenwelt weitergehe. Mir schwebt eine Schule vor, wo am Vor- und am Nachmittag Unterricht ist, mit mehr Sport, wo Werte vermittelt werden. Das wird noch dauern, denn die baulichen Voraussetzungen sind nicht gegeben.